Editorial

Im Sommerloch verblüffte das US-amerikanische Datingportal OkCupid seine Leser mit der Feststellung: iPhone-Besitzer haben mehr Sexpartner als andere Smartphone-Inhaber. Diese Meldung verbreitet sich im Netz in Windeseile und wurde von den begeisterten Medien- und Computerseiten genüßlich aufgegriffen.

Aber wie hat OkCupid dies denn  nur heraus gefunden? Ganz einfach, sie haben ihre Datingportal-Nutzer befragt und zwar im Zusammenhang mit einem allgemeinen Fragebogen zu Vorlieben und Erfahrungen und nachher fröhlich diese Korrelation (den kausalen Zusammenhang) hergestellt.

Und hier kommt die Statistik als kühl kalkulierende Spielverderberin ins Spiel. Ein Psychologe würde zunächst fragen, wie groß die Gesamtheit der Befragten war, um  sicher zu gehen, dass es eine repräsentative Umfrage war. Dann würde natürlich berechnet, ob die Unterschiede signifikant – also überzufällig häufig – auftreten.

Aber wie erklärt sich das Ganze nun? Psychologiestudenten bekommen seit Jahren im ersten Semester diese Geschichte serviert: Es gibt eine statistisch bedeutsame Korrelation zwischen dem Geburtenrückgang in Deutschland und dem Vorkommen nistender Storchpaare in unserem Land, also weiß man doch weshalb es immer weniger Kinder gibt… Okay, dies ist ein Beispiel, wie man fröhlich alles mit allem in Beziehung setzt und irgendwann einmal auf einen abstrusen Zusammenhang kommen kann.

In folgenden Beispiel gibt es hingegen einen wirklichen, indes versteckten Zusammenhang, auch moderierende Variable genannt: Menschen mit einer Schuhgröße kleiner 33 leben länger als Menschen mit Schuhgröße 44 und höher. Natürlich, doch das liegt nicht an der Schuhgröße, sondern am Alter. Menschen mit Schuhgröße kleiner 33 sind meist deutlich jünger, da Kinder und haben eine dementsprechend längere Lebenserwartung.

Im iPhone-Beispiel ist möglicherweise auch eine moderierende Variable im Spiel. Nur welche? Sind Menschen, die dieses Handy gewählt haben alle in einer bestimmten Weise anders gestrickt: offener, mehr an Design oder Statussymbolen interessiert, alle Spielkinder und gehen diese Persönlichkeitsmerkmale auch mit einem einer größeren sexuellen Offenheit und Experimentierfreude einher? Was meinen Sie? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.