Bitte nicht so kompliziert

Das Bürotelefon von Marc Latoschik besitzt etwa 40 Tasten – die meisten wird er nie benutzen. „Warum ist das so kompliziert?“, fragt er. „Das muss einfacher gehen!“ Ginge es nach ihm, würden technische Geräte intuitiv bedienbar, formschön und leicht verständlich sein und Freude bei der Benutzung machen. Marc Latoschik erforscht, wie Technik einfacher geht, wie Mensch und Computer sich gegenseitig verstehen. Nicht mehr das Werkzeug, sondern die Aufgabe sollte im Zentrum des Interesses stehen.

„An jedes Notebook, jedes Handy muss sich der Mensch heute aufwändig anpassen“, erklärt der Professor. Dabei sollte doch das Gegenteil der Fall sein: Der Computer muss sich an den Menschen anpassen. Was logisch klingt, wird von vielen Entwicklern ignoriert: Funktionalität ist Trumpf. Was ist technisch möglich? Welche Funktionen passen noch ins Menü? Welche Anwendungen lassen sich noch unterbringen? Die Frage der Gebrauchstauglichkeit kommt dabei meist zu kurz.

Wenn das Bedienmenü verwirrt

„Die Aufnahmefähigkeit und das technische Verständnis der Benutzer werden fast immer überschätzt“, erklärt Latoschik. Das Menü im Navigationssystem etwa mag zwar den Entwicklern glasklar erscheinen – der Verbraucher versteht oft nur Bahnhof. Es reicht eben nicht, in der Entwicklung nur die Technik zu kennen und zu beherrschen. Hier setzt Latoschiks „Mensch-Computer-Interaktion“ an: Der Fachbereich wendet Erkenntnisse der Kognitionswissenschaften und Psychologie auf die Schnittstellen zwischen Mensch und Computer an und verknüpft dabei Methoden der Künstlichen Intelligenz und der Computergraphik. Das Ergebnis sind Produkte, die leichter, schneller und sicherer zu bedienen sind – und im Idealfall sogar Freude bei der Benutzung machen.

Dass Latoschik erst seit Mai in Würzburg ist, lassen nur die Umzugskartons im Büro vermuten. Ansonsten ist der 43-Jährige schon voll mit Projekten beschäftigt: Etwa die Software SIRIS zur Erzeugung virtueller Umgebungen, in denen man mittels Sprache und Gestik mit dem Computer interagiert. Oder eine psychologische Experimentreihe für eine Schmerztherapie am Bildschirm.

Wichtig ist Latoschik auch, das eigene Wissen verständlich weiterzugeben. „Unsere Lehrmethoden verharren in teils uralten Prinzipien“, sagt er. Es komme zu wenig an und bleibe zu wenig hängen beim Zuhörer. Latoschik will auch daran forschen, wie der Lehrstoff erlebbar gemacht werden kann – beispielsweise indem er Tafelbilder oder Fallbeispiele direkt auf die Notebooks der Studierenden überträgt oder über (computer-)spielerische Anreize Motivation erzeugt.

Zur Person

Marc Latoschik, Jahrgang 1968, stammt aus Herford in Nordrhein-Westfalen. Er studierte Informatik und Mathematik in Bielefeld, Paderborn und am New York Institute of Technology. Bis 1997 war er als Software-Entwickler selbstständig, 1996 übernahm er die Leitung des Labors für Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität der Universität Bielefeld. Dort promovierte er 2001 über das Thema „Multimodale Schnittstellen in der Virtuellen Realität“.

Von 2007 an lehrte und forschte Latoschik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, 2009 folgte eine Professur für Intelligent Graphics an der Universität Bayreuth.

Seit Mai ist Latoschik nun in Würzburg. „Hier stimmt das Verhältnis von Lehre und Forschung, das ist für mich ein großer Vorteil“, sagt er. Auf die Zukunft in Würzburg freue er sich. Ob das Telefon auf seinem Schreibtisch bald weniger Tasten hat? Man darf gespannt sein.

Quelle: IDW



In: Personalia

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